Dispersionsfarbe auf Beton
60 x 80 cm, 2020
Die Acrylmalereien sollen zur Kontemplation, Selbstreflexion und -erforschung anregen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen bei der Identifikation und schließlich auch Befreiung von Prozessen der Selbstsabotage und des Selbstbetruges unterstützen.
Gleichzeitig soll der unterdrückende Terror der von den verschiedenen philosophischen, ideologischen, spirituellen und/oder religiösen Konzepten auf das Bewusstsein und den Geist einwirkt sichtbar gemacht werden. Die verwendeten Begriffe sind überwiegend Imperative und Nomen aus der Philosophie, Psychologie, Soziologie, Mystik... und beschreiben bestimmte Bewusstseinszustände und Narrative.
Einerseits umfassen die Malereien also eine enzyklopädische, etymologische Bedeutungsebene und andererseits eine formal dialektische. Die formal dialektische Bedeutungsebene tritt da am Deutlichsten zutage, wo die Widersprüchlichkeiten bis an die Grenzen der Absurdität reichen. Indem sämtlichen Begriffen ein Hashtag vorangestellt wurde, findet eine formale Aufhebung der Dichotomie von analog und digital statt.
Da die einzelnen Bilder auf dem immer gleichen Untergrund aufgetragen, also das vorangegangene Motiv stets übermalt wurde, bestehen lediglich noch Bilddateien, also digital transformierte Abbildungen der analog angefertigten Bilder. Beim Anordnen und Zusammenfassen der Begrifflichkeiten legte ich Wert auf die Poetik, insbesondere den Rhythmus. Durch das Voranstellen der Hashtags vor die poetisch entsprechend angeordneten Begriffe werden die vermeintlich dichotomischen Eigenschaften von Funktionalität und Ästhetik verwischt.
Außerdem erfolgt durch die malerische Gestaltung der Begriffe eine Auflösung der Grenzen zwischen Schrift und Bild.
Die rohe, kompromisslose, beinahe brutale Strichführung soll die anzustrebende kontemplative, selbstreflexive Praxis illustrieren.
September 2020